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George Crumb 1929–2022

09/02/2022
Unser Verlag trauert um George Crumb.
George Crumb war einer der bedeutendsten Komponisten des letzten Jahrhunderts und prägte mit seinem unverwechselbaren Umgang sowohl mit Klängen selbst als auch mit ihrer Notation ganze Generationen von Musikschaffenden.

Bekannt für die ansprechende Gestaltung seiner Notenbilder – oft eine Kombination aus traditionellen Notensystemen und symbolischen Formen (wie bei der kreisförmigen Partitur zu 'Star-Child' oder dem Friedenszeichen in 'Makrokosmos') –, hatte Crumb ein feines Gehör für unterschiedlichste klangliche Möglichkeiten, aus denen Werke von außergewöhnlichem Farbreichtum und großer Eindringlichkeit erwuchsen. Die New York Times beschrieb ihn einmal als „den widerwilligen Dichter mondheller Träume und Blake’scher Visionen“. Ihre besondere Kraft schöpfte Crumbs Musik aus seiner profunden Kenntnis und Wertschätzung des klassischen Kanons, den er als Kind durch die Notensammlung seines Vaters kennenlernte, ebenso wie aus der Moderne von Bartók, Webern, Strawinsky und Debussy, die er sich zu Studienzeiten bei Ross Lee Finney an der Universität von Michigan, später bei Boris Blacher in Tanglewood und Berlin erschloss, und schließlich aus dem breiten Repertoire an volkstümlicher und populärer Musik,
das er im Elternhaus hörte und in jungen Jahren selbst spielte.

Zugleich war Crumbs Schaffen von einem starken sozialen Gewissen und dem Glauben an Musik als verbindende, grenzüberwindende Kraft geprägt. Mit 'Black Angels' für elektrisches Streichquartett schuf er ein bewegendes Klagelied über die anhaltende Tragik des Vietnamkriegs. Ironische Zitate aus Richard Strauss’ 'Also sprach Zarathustra', verbunden mit Walgesängen, vermitteln in 'Vox Balaenae' schon früh die Bedrohung des globalen Ökosystems durch den Menschen. In 'Star-Child' – einem monumentalen Werk mit vier Dirigenten (bei der Uraufführung durch die New Yorker Philharmoniker angeführt von Pierre Boulez) – war es Crumbs Anliegen, „ohne esoterische philosophische Grundlage“ einen „universellen Sinn“ in der einheitsstiftenden Idee der Sphärenmusik zu finden und in der Tradition Beethovens musikalisches Licht in die Dunkelheit der Welt zu bringen.

In späteren Jahren war das volkstümliche Repertoire Amerikas – und vor allem seines Heimatstaates West Virginia – eine wichtige Inspirationsquelle für Crumb, wie die Bände seiner 'American Songbooks' mit ihrer Faszination für Schlaginstrumente und ihrem schier endlosen Schöpfungsreichtum für dieses Instrumentarium eindrücklich belegen. Mit seinen letzten Werken, der Schlagzeugsuite 'Kronos – Kryptos' und dem groß angelegten Klavierzyklus 'Metamorphoses', kehrte er abschließend zu jenen musikalischen Gattungen zurück, die er durch sein Schaffen nachhaltig geprägt und verändert hatte.

Crumb war als Lehrer hochgeschätzt und unterrichtete lange Zeit an der University of Pennsylvania, wo er 1983 zum Annenberg Professor of the Humanities berufen wurde. Den Großteil seines Privatlebens verbrachte er zurückgezogen in einem ruhigen Vorort von Philadelphia. Seine „erste und einzige Freundin“ Elizabeth heiratete er am 21. Mai 1949. Außer ihr hinterlässt Crumb seine Söhne David und Peter; seine Tochter Ann, die als Schauspielerin und Sängerin tätig war, starb 2019.

Edition Peters schätzt sich überaus glücklich, seit über 50 Jahren sämtliche Werke von George Crumb zu verlegen. Wir trauern um ihn, erinnern uns aber zugleich in Dankbarkeit an die Zusammenarbeit mit einem der wichtigsten und einflussreichsten Komponisten unserer Zeit.

In den Worten von Kathryn Knight, Geschäftsführerin von Edition Peters USA: „Die Musikwelt hat einen wahrhaft innovativen und richtungsweisenden Komponisten verloren, dessen Schaffen die musikalische Landschaft stetig bereichert und belebt hat. Unser Beileid gilt seiner Frau Elizabeth und den Söhnen David und Peter.“

Gene Caprioglio, Leiter der Abteilung für Neue Musik und Rechte bei Edition Peters USA, ergänzt: „George Crumb, mit dem uns eine wunderbare Zusammenarbeit verband, war ein genialer Schöpfer kunstvoller und herrlicher Musik. Wir werden ihn als Kollegen und als Komponisten vermissen. Es war uns eine Ehre, seine visuell und akustisch beeindrucken Werke einer Musikwelt zugänglich zu machen, die durch seinen Tod um einiges ärmer wird.“

George Henry Crumb 1929–2022

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